Zöliakie - bessere Lebensqualität durch gentechnisch verändertes Getreide?

Anwendungsmöglichkeiten der Gentechnik
Gene sind nicht anderes als Bauanleitungen für Eiweißmoleküle — oder Proteine. Da diese Bauanleitungen bei allen Lebewesen, vom Colibakterium bis zum Elefanten, nicht nur in der gleichen, aus vier Buchstaben bestehenden Schrift geschrieben sind, sondern auch in einer einzigen Sprache, funktioniert überhaupt die Gentechnik: Kennt man eine bestimmte Bauanleitung, etwa die für das Protein Insulin, so kann man dieses Gen aus Zellen der menschlichen Bauchspeicheldrüse (hier wird das Insulin gebildet) isolieren und, zum Beispiel, in eine Bakterienzelle einführen. Das Bakterium kennt die Schrift und versteht die Sprache: Es kann jetzt entsprechend der eingefügten Bauanleitung zusätzlich zu seinen eigenen Proteinen das Insulin aufbauen. Nach diesem Prinzip werden viele andere Produkte gentechnisch in Mikroorganismen gewonnen, wie z. B. das EPO, ein Wachstumsfaktor für rote Blutkörperchen. Die Zahl der roten Blutkörperchen wird durch die Einnahme dieses Mittels erhöht. EPO ist ein ganz wichtiges Medikament für nierenkranke Menschen geworden, wird aber auch von Sportlern beim "Blutdoping" missbraucht. Den gleichen Effekt erreichen Sportler, wenn sie ins Hochgebirge zum Trainieren gehen. Der Körper passt sich nach etwa 14 Tagen an den in der Höhe geringeren Sauerstoffgehalt der Luft an, indem er die Zahl seiner für die Sauerstoffaufnahme wichtigen roten Blutkörperchen erhöht — mittels körpereigenen EPOs. Ein weiteres Beispiel ist das humane Wachstumshormon Somatotropin, das zur lebenswichtigen Behandlung einer bestimmten Wachstumsstörung bei Kindern eingesetzt wird. Vor der gentechnischen Herstellungsmöglichkeit musste dieses Medikament aus den Hirnanhangsdrüsen Verstorbener isoliert werden.



Bei diesen Beispielen aus der Medizin geht es entweder um verbesserte Herstellungsverfahren oder die erstmals mögliche Herstellung von Proteinen, die beim Menschen als körpereigene Wirkstoffe dienen. Das gleiche Prinzip gilt für viele Enzyme - ebenfalls Proteine -, die heute in der Diagnostik, für Waschmittel oder auch im Lebensmittelbereich benötigt werden. Gentechnische Verfahren haben — quasi unsichtbar, weil ohne jeden Einfluss auf die Endprodukte — schon breiten Einzug in die Lebensmittelherstellung gehalten. Herstellungsverfahren für Enzyme und viele andere Substanzen wurden mit gentechnischen Verfahren im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und auch Umweltfreundlichkeit optimiert. Zahlen aus der Produktion von Enzymen, Aminosäuren oder anderen Substanzen aus Mikroorganismen, die für die Lebensmittelherstellung gebraucht werden, belegen die Wettbewerbsfähigkeit der Technik. Werden bei der Produktion des Enzyms Alpha-Glucosidase, das für die Diagnostik und im Lebensmittelbereich verwendet wird, gentechnisch veränderte Mikroorganismen eingesetzt, wird weniger als ein Zwanzigstel des Wassers und ein Fünfzigstel des Stroms gegenüber herkömmlichen Mikroorganismen verbraucht. Der Abfall reduziert sich um zwei Drittel. In diesen Sektor gehört übrigens auch das Chymosin, das für die Käseherstellung gebraucht wird. Früher nur aus kleingehäckselten Kälbermägen extrahierbar, kann man es heute in hochreiner Form aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewinnen. Ähnlich dem Insulin hat man das Gen für das Eiweiß Chymosin in Mikroorganismen eingebracht. Das Chymosin ist das gleiche wie bisher und in keiner Weise "gentechnisch verändert" — der Käse ist kein "Genkäse". Verändert hat sich allein das Herstellungsverfahren: statt Extraktion aus Kälbermägen oder Produktion in "herkömmlich (mit Chemikalien oder mutagener Strahlung) genveränderten" Mikroorganismen wird nun mit gut charakterisierten gentechnisch veränderten Mikroorganismen gearbeitet. Ganz abgesehen von der Wettbewerbsfähigkeit der Technologie kommen wir damit de fakto auch zu einem Mehr an Sicherheit: wir wissen viel genauer, was wir tun.



Vor dem Hintergrund, dass die Gentechnik schon vielfach zur Optimierung von Herstellungsverfahren eingesetzt wird, bilden Sie sich bitte ein eigenes Urteil über Bestrebungen von Handels- und Lebensmittelunternehmen die, - aus lauter Angst vor fundamentalen Gentechnik-Gegnern und neuerdings selbsternannten Verbraucherschützern wie Greenpeace - Enzymhersteller auffordern, Enzyme nur aus "herkömmlichen" Mikroorganismen zu liefern. Teilweise gibt es jedoch gar keine Enzyme mehr aus "herkömmlichen" Mikroorganismen. Dies gilt zum Beispiel für die Maisstärkeverzuckerung. Maisstärkeprodukte gehen in unsere Lebensmittel ein als Glucosesirup, Fructose, Dextrose, modifizierte Stärken oder Maltodextrine, als Trägersubstanzen für viele Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine oder auch für die Medikamentenherstellung. Früher wurde die Maisstärkeverzuckerung auf chemischen Weg mit Säuren erreicht. Längst werden Enzyme eingesetzt, die umweltfreundliche Verfahren ermöglichen. Diese Enzyme stammen aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen. Die Maisstärkeprodukte sind unberührt von der Gentechnik, aber eben doch mit ihrer Hilfe hergestellt.

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