"Expression und Produktion von Weizenspeicherproteinen in
der Hefe Saccharomyces cerevisiae"
Technische Universität Berlin, Mikrobiologie
und Genetik, TIB 4/4-1
Prof. Dipl. Ing. Dr. U. Stahl/Dr. Erika Hinzmann
Laufzeit des Vorhabens: 01.02.2000 - 31.01.2005
1. Zielsetzung
In diesem Teilprojekt werden zwei Ziele verfolgt. Erstens sollen
durch die Expression von Weizenproteinen in Hefe die Zöliakie-auslösenden
Proteine bzw. Proteinbestandteile bestimmt werden. Damit wird die
Basis für die Bearbeitung der pflanzengenetischen Fragestellungen
des Verbundprojektes geschaffen.
Zweitens sollen kleberähnliche Proteine in Hefe durch Übertragung
der entsprechenden Gene aus Weizen in das Genom der Hefe erzeugt
werden. Lassen sich auf diesem Weg Kleberproteine herstellen, eröffnet
sich ein von Pflanzen unabhängiger Weg, Kleberprotein
zu gewinnen. Damit können dann Lebensmittel mit backtechnischen
und sensorischen Eigenschaften hergestellt werden, die ansonsten
nur Produkte auf Weizenbasis, wie Brot und Teigwaren, aufweisen.
2. Arbeitsprogramm
Zur Überprüfung der Toxizität soll repräsentativ
aus jeder Gruppe der an der Kleberbildung beteiligten Weizenproteine
ein Gen in der Hefe Saccharomyces cerevisiae exprimiert werden.
Das Gliadin-Gen soll aus der Gruppe der g-Gliadin-codierenden
Gene stammen. Gliadine werden als Zöliakie-auslösende
Fraktion des Glutens eingestuft. Von den Glutenin-codierenden Genen
soll eines aus der Gruppe der LMW-, sowie eine x-HMW- oder eine
y-HMW-Untereinheit ausgewählt werden. Dabei ist zu beachten,
dass diese Gene keine Sequenzabschnitte enthalten, die im Hinblick
auf Zöliakie-Toxizität kritische Aminosäuren codieren.
3. Aktueller Stand der Arbeiten
Die für die Durchführung des Projektes erforderlichen
Gene wurden beschafft bzw. isoliert. Das Gen für das g-Gliadin
wurde von Charles Hedgcoth, Kansas State University, USA, zur Verfügung
gestellt, die Gene für die HMW-Glutenin Untereinheit 1Dx5 und
1Dy10 wurden durch die AG Becker aus genomischer DNA der Weizensorte
Cheyenne isoliert und die Gene für LMW-Glutenin Untereinheiten
wurden zum einen aus genomischer DNA der Weizensorte Cheyenne zum
anderen aus einer cDNA-Genbank der Weizensorte Florida durch die
AG Stahl selbst isoliert.
Zur Überprüfung der Zöliakie-Toxizität dieser
ausgewählten Speicherproteine wurden die Gene entweder als
Ganzes, im Fall des g-Gliadins zusätzlich
auch in Teilsequenzen (C- und N-terminaler Bereich getrennt) in
verschiedene Hefeexpressionsvektoren eingebracht. Dadurch entstanden
Plasmide, mit denen die Gene konstitutiv oder durch Induktion exprimiert
und entweder in die Zellmatrix abgegeben oder ins Medium sekretiert
werden konnten. Mit diesen Konstrukten wurden verschiedene Hefestämme
transformiert und die Proteinproduktion mittels SDS-Polyacrylamidgelelektrophorese
(SDS-Page) und anschließender Westernblot-Analyse untersucht.
Es konnte gezeigt werden, dass alle ausgewählten Speicherproteingene
in der Hefe Saccharomyces cerevisiae exprimiert werden. Im
nächsten Schritt wurde begonnen, die Aufreinigungsmethoden
(Zellaufschluss und Extraktion) dieser Speicherproteine aus der
Zellmatrix von Hefen zu optimieren. Diese isolierten Protein-Rohextrakte
werden dann an die AG Wieser zur weiteren Aufreinigung und Charakterisierung
weitergegeben, um anschließend von der AG Ciclitira auf ihre
Zöliakie-Toxizität überprüft zu werden.
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