"Zöliakiespezifische Toxizitätsprüfung von
Proteinen aus transgener Hefe sowie transgenem Weizen und Mais und
Detoxifizierung von Weizen durch Immunmodulation"
Dr. H. Wieser
Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, Garching
Unterauftragnehmer:
Prof. Dr. P. Ciclitira
St.Thomas Hospital, Rayne Institute, London
Laufzeit des Vorhabens: 01.02.2000 - 31.01.2005
1. Zielsetzung
In diesem Teilprojekt werden zwei Ziele verfolgt. Zum einen soll
untersucht werden, ob über modifizierte Gliadinpeptide eine
Immunmodulation und damit eine orale Toleranz gegenüber Weizen
erreicht werden kann. Dazu sollen die Aminosäuresequenzen Zöliakie-toxischer
Gliadinpeptide derart modifiziert werden (Teilprojekt 3), dass die
synthetischen Peptide zwar an die HLA-Moleküle der immunkompetenten
Zellen der Dünndarmschleimhaut binden, gleichzeitig aber die
Aktivierung der T-Zellen unterbunden wird. Entsprechend wirksame
Peptide sollen dann mittels gentechnischer Maßnahmen in Weizen
und Mais transformiert werden (Teilprojekt 1).
Zum anderen soll durch in vivo- und in vitro-Tests
eine Auswahl von in transgener Hefe produzierten modifizierten Gliadinen
und Untereinheiten von LMW- und HMW-Glutenin, eine Auswahl von synthetischen
Peptiden sowie später transgener Weizen und Mais auf Zöliakie-Toxizität
geprüft werden.
2. Arbeitsprogramm
Entsprechend der Zielsetzung gliedern sich die Arbeiten in drei
Abschnitte:
1 - Immunmodulation:
Für die Versuche zur Immunmodulation werden Bindungsstudien
an Antigen-präsentierenden Zellen sowie Stimulationsstudien
an T-Zellen durchgeführt werden.
2 - in vitro-Toxizitätsprüfung:
Ein Teil der Toxizitätsprüfungen soll mit in vitro-Tests
durchgeführt werden. Aussagekräftig ist der Gewebekultur-Test
mit Darmschleimhaut von Zöliakie-Patienten, die in einem Kulturmedium
nach Zusatz des zu testenden Proteins oder Peptids inkubiert wird.
Nach Abschluss der Inkubation wird als Toxizitätsparameter
die Enterocytenhöhe gemessen.
3 - in vivo-Toxizitätsprüfung:
Die in vivo-Toxizitätsprüfung soll an erwachsenen
freiwilligen Patienten durch Instillation der zu untersuchenden
Substanzen in geringen Mengen (mg-Bereich) in den Dünn- oder
Dickdarm vorgenommen werden.
3. Stand der Arbeiten
Die Bindungsstudien an HLA-Zellen (DQ8-Transfektanten von Mäusefibroblasten,
DQ2-Transfektanten von humanen B-Lymphozyten) wurden mit biotinylierten
synthetischen Peptiden (Teilprojekt 3) aus der N-terminalen Domäne
von a-Gliadinen fortgesetzt. Dabei
zeigte sich, dass die Affinität der Peptide zu den DQ-Zellen
nach Inkubation mit Transglutaminase signifikant gesteigert wurde.
Mit den synthetischen Peptiden wurden Stimulationsversuche mit T-Zellen
von zwei Zöliakie-Patienten durchgeführt. Als Maß
für die Stimulation wurde der sog. Stimulationsindex (Quotient
der Werte aus den Ansätzen mit und ohne Antigen) verwendet.
Die Peptide mit nativen Sequenzen aus a-Gliadinen
zeigten eine positive Reaktion. Wurde jedoch in bestimmten Sequenzpositionen
die jeweilige Aminosäure durch Alanin ersetzt, wurden T-Zellenstimulation
und Interferonproduktion unterdrückt.
Für die in-vivo-Toxizitätsprüfung konnten
sechs freiwillige Zöliakie-Patienten rekrutiert werden. In
einem Vorversuch wurde den nüchternen Patienten mit Hilfe einer
Quinton-Ruben-Kapsel Gliadinhydrolysat in das Duodenum instilliert.
Dieser Vorversuch ist zwingend, weil das Immunsystem nach glutenfreier
Ernährung stimuliert werden muss und für die Untersuchungen
nur solche Patienten in Frage kommen, die innerhalb von 6 h auf
Gliadin reagieren. Drei Patienten zeigten die erwünschte Wirkung.
An ihnen wurde ein von der Arbeitsgruppe 3 synthetisiertes Peptid
aus der N-terminalen Domäne von a-Gliadinen
auf seine Toxizität untersucht. Als Negativkontrolle wurde
ein synthetisches Peptid aus Casein eingesetzt. Das Gliadinpeptid
führte bei allen drei Patienten zu einer signifikanten Schädigung
des Darmgewebes, während das Caseinpeptid keine Wirkung zeigte.
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